Forschungs- und Lehrbereich General Linguistics

Die Allgemeine Sprachwissenschaft (General Linguistics) beschäftigt sich mit den formalen und funktionalen Eigenschaften von Sprache und Sprachen, also mit den Fragen nach den strukturbildenden Regeln (der Form) und der Anwendung einer spezifischen Form in einer bestimmten Umgebung (der Funktion).

Im Gegensatz zur Germanistischen oder Englischen Sprachwissenschaft ist der Untersuchungsgegenstand dabei nicht die einzelne Sprache, sondern die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen. Dabei werden alle sprachlichen Domänen vom Laut bis zum Text zur Theoriebildung einbezogen.

Oftmals liegt der Schwerpunkt der Allgemeinen Sprachwissenschaft im Umfeld der Syntax bzw. der regelhaften Prozesse in Disziplinen wie Phonologie, Morphologie und Semantik. Die Ursache liegt in der Rolle der mit Noam Chomsky verbunden Perspektive auf sprachliche Formen, die der wohl bekannteste Sprachwissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts seit den 50er Jahren weltweit propagierte. In der Auseinandersetzung mit dieser Sprachtheorie (Generative Grammatik) haben sowohl Befürworter als auch Kritiker zu einer rasanten Weiterentwicklung der Sprachwissenschaft beigetragen, die sich heute als eine sehr dynamische und farbenfrohe Wissenschaftsdisziplin darstellt.

Aufgrund ihrer theoriebildenden Ausrichtung ist die Allgemeine Sprachwissenschaft diejenige Teildisziplin, die am stärksten mit anderen (z.B. anwendungsbezogenen) sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen, wie der Typologie, der Computerlinguistik oder der Psycho-/Neurolinguistik, zusammenarbeitet. Dabei werden Beobachtungen und Erkenntnisse versucht mit Hilfe allgemeiner Regeln und Generalisierungen zu erfassen und diese dann wiederum auf neue Untersuchungsgebiete angewendet und überprüft.

Aber auch andere Fachgebiete sind für die Allgemeine Sprachwissenschaft von Bedeutung. Dabei ist es mittlerweile nicht mehr allein die Philosophie, die dabei eine herausragende Stellung einnimmt, sondern auch kognitive und naturwissenschaftliche Ansätze aus Psychologie, Biologie und Physik finden immer stärker im Kontext moderner sprachwissenschaftlicher Theorien Beachtung.

Die Allgemeine Sprachwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität hat einen ausgeprägten neurokognitiven Forschungsschwerpunkt, der auch hier der Tradition folgt und nicht die Einzelsprache betrachtet, sondern der Frage nachgeht, warum so viele Sprachen auf der Welt vorkommen, obwohl das allen Menschen zugrunde liegende neuronale Sprachsystem nahezu identisch ist.

Dabei greifen wir Generalisierungen aus der Sprachtypologie (sprachliche Universalien), der Syntax (universelle Strukturprinzipien) und der Kognitionswissenschaft (Gedächtnisstrukturen) auf und modellieren diese auf der Basis von Daten, die wir durch durch neurophysiologische (EEG) und neuroanatomische (Magnetresonanztomographie) Messungen bzw. Verhaltensexperimente (z.B. Blickbewegungsmessungen) erhalten.

Dabei geht es nicht mehr, wie in der klassischen Sprachforschung, um die Frage, ob eine sprachliche Form existiert und wie man diese gegenüber anderen ähnlichen Formen bewertet oder klassifiziert, sondern in den Mittelpunkt rückt die zeitliche Dimension, mit der eine bestimmte Form verstanden bzw. produziert wird.